C.H. Pürschel
stillgelegt 199x
Die Bilder entstanden im August 2007

Im brandenburgischen Forst / Lausitz hat sich im 19. Jahrhundert die Textilindustrie, begünstigt von den nahen Braunkohlevorräten als Brennstoff für die Dampfmaschinen, im großen Maß entwickelt. Sätze wie das Manchester Deutschlands wurden genannt. 1930 gab es 400 Betriebe mit 16000 Arbeitern. Das Stadtbild  schilderte man  folgendermaßen:
«Ein Wald von Schornsteinen mit langen Rauchfahnen bildet die charakteristische Silhouette dieser Stadt. Fabrik reiht sich an Fabrik, ganze Viertel bedeckend in allen Stadtteilen. Lokomotiven durchfahren die Straßen und schleppen Waggon um Waggon, auf Rollböcke gesetzt, in die zahllosen Fabrikhöfe. Überall das Sausen des Weberschiffchens, das Klappern der Stühle; Dampf pufft aus, Kohlenstaub wirbelt umher.»
Mit Ende des 2.Weltkrieges wurde Forst als Frontstadt von schweren Angriffen getroffen, die 88% der 120 noch vorhandenen Textilbetriebe vernichtete. Nach Wiederaufbaumaßnahmen wurde  zum Teil mit überalterten Maschinen in VEBs weiter produziert bis zur politischen Wende, die dann das völlige aus der hiesigen Textilfabriken bedeutete. C.H. Pürschel ist nur eine der vielen architektonisch bedeutungsvollen, aber ungenutzten Industriebauwerke, mit ungewisser Zukunft in Forst. Überall wiederholt sich das Straßenbild leerer, zerschlagner & vernagelter Fensterscheiben. Die Werksuhren zeigen seit über 15 Jahren nur noch die gleiche Zeit an - Textilzentrum im Dornröschenschlaf. Die gewaltigen Produktionshallen bei Pürschel sind bis auf wenige übrig gebliebene Garnrollen, Spinde & anderer netten Kleinigkeiten völlig ausgeräumt. In den Kellerräumen zeugen noch rostige Stahltüren und die Schriftzüge Schutzraum XX von vergangenen Kriegstagen. Einzig das angrenzende betriebseigene Kesselhaus steckte noch voller alter Technik, welches ich ausgiebig zur Überbrückung eines Sommergewitters erkunden konnte.

Startseite Zu den Bildern