Glanzstoff-Fabrik
stillgelegt 2000
Die Bilder entstanden im September 2005

Die 96 Jahre Werkshistorie: 1904 wird auf dem Gelände der ehemaligen „Süddeutschen Waggonfabrik AG“ die Vereinigte Kunstseide-Fabriken AG angesiedelt. Hergestellt wird Nitratseide aus Baumwoll-Linters. 1913 übernehmen die „Vereinigte Glanzstoff Fabriken AG“  die Aktienmehrheit und es wird Viskoseseide aus Holzstoff produziert. Zur Zeit des 1.Weltkrieges kommt die Produktion ab 1914 zu erliegen. Erst 1922 geht es wieder aufwärts, das Werk wird modernisiert und vergrößert. 1924 kommt ein neues Kesselhaus dazu. Ende 1932 muss aufgrund der Weltwirtschaftskrise das Werk mit einst 2500 Arbeitern schließen, die Produktion wird aber bereits wenige Wochen später im kleinen Maßstab wieder aufgenommen und läuft auch während der Kriegsjahre durch. 1945 besetzten die US-Truppen das Werk. Bis 1950 arbeiten hier wieder 2300 Menschen. 1951 wird ein Werksärztlicher Bereich für alle Mitarbeiter eingerichtet, zugleich wird ein Werkssportgelände mit Freibad und Tennisplätzen eingeweiht. 1953 wird düsengefärbtes RAYLON in 20 Farben produziert. Im Herbst beginnt die Textilierung von PERLON. 1966 wird die Produktion von PERLON auf NYLON umgestellt. 1972 wird der Firmenname auf ENKA geändert. 1974 müssen 11 Millionen DM für Umweltschutzmaßnahmen investiert werden – hauptsächlich für eine Abluftreinigung. 1977 muss wegen weltweiten Überkapazitäten die NYLON Fertigung eingestellt werden. Nach längerem Personalabbau und Kurzarbeit wird im Januar 2000 das Werk endgültig geschlossen!
Eindrücke: Betritt man das Gelände, wird man von seinen gewaltigen 145 000 m² mit 550 000³ umbauten Raum förmlich überwältigt. Eine lange, gerade  Werksstraße bildet eine Achse durchs das Areal, das langsam begann zu verwildern. Die meist fensterlosen Spinnsäle waren alle restlos von Textilmaschinen befreit worden. Früher thronte ein gemauerter Schornstein mit der eingearbeiteten Schrift "Glanzstoff" über der Fabrik, der leider zu einem früheren Zeitpunkt schon abgerissen wurde. Höhepunkt des Streifzuges waren die historischen Spinde mit ihren Hinterlassenschaften der einstmals 2500 Mitarbeiter und das noch fast vollständig erhaltene Kesselhaus. Eine besondere Errungenschaft war bestimmt auch die Werkssportanlage, die 1951 mit Tennisplatz und üppigen Freibad ausgestattet war. Auch 5 Jahre nach deren Schließung hingen die Tennisschuhe noch an den Haken. Nicht schlecht gestaunt habe ich in einen kleinen Büro einer Werkstatt, als sich plötzlich der Zeiger der alten Werksuhr weiterbewegte - eine Einbildung ? Nein eine Minute später sprang er pünktlich weiter als wolle er sich wie einst den Feierabend entgegendrehen ;-) Leider entsprechen viele der hier gezeigten Bilder nicht der üblichen Industriezerfall Qualität, weil ich sie mit einer Kompaktkamera mit Weitwinkelaufsatz fotografiert habe. Ein späteres nachholen in besserer Qualität ist leider nicht mehr möglich, die Fabrik ist bis auf ein denkmalgeschütztes Gebäude vollständig abgerissen worden. Hier wird in kürze ein neues Wohn- und Büroareal entstehen. Damit habe ich zu lange gewartet.

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