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Die 96 Jahre Werkshistorie:
1904 wird auf dem Gelände der ehemaligen „Süddeutschen Waggonfabrik AG“ die
Vereinigte Kunstseide-Fabriken AG angesiedelt. Hergestellt wird Nitratseide
aus Baumwoll-Linters. 1913 übernehmen die „Vereinigte Glanzstoff Fabriken
AG“ die Aktienmehrheit und es wird Viskoseseide aus Holzstoff produziert.
Zur Zeit des 1.Weltkrieges kommt die Produktion ab 1914 zu erliegen. Erst
1922 geht es wieder aufwärts, das Werk wird modernisiert und vergrößert.
1924 kommt ein neues Kesselhaus dazu. Ende 1932 muss aufgrund der
Weltwirtschaftskrise das Werk mit einst 2500 Arbeitern schließen, die
Produktion wird aber bereits wenige Wochen später im kleinen Maßstab
wieder aufgenommen und läuft auch während der Kriegsjahre durch. 1945 besetzten die
US-Truppen das Werk. Bis 1950 arbeiten hier wieder 2300 Menschen. 1951 wird
ein Werksärztlicher Bereich für alle Mitarbeiter eingerichtet, zugleich wird
ein Werkssportgelände mit Freibad und Tennisplätzen eingeweiht. 1953 wird
düsengefärbtes RAYLON in 20 Farben produziert. Im Herbst beginnt die
Textilierung von PERLON. 1966 wird die Produktion von PERLON auf NYLON
umgestellt. 1972 wird der Firmenname auf ENKA geändert. 1974 müssen 11
Millionen DM für Umweltschutzmaßnahmen investiert werden – hauptsächlich für
eine Abluftreinigung. 1977 muss wegen weltweiten Überkapazitäten die NYLON Fertigung eingestellt werden. Nach
längerem Personalabbau und Kurzarbeit wird im
Januar 2000 das Werk endgültig geschlossen!
Eindrücke:
Betritt man das Gelände, wird man von seinen gewaltigen 145 000 m² mit 550
000³ umbauten Raum förmlich überwältigt. Eine lange, gerade
Werksstraße bildet eine Achse durchs das Areal, das langsam begann zu
verwildern. Die meist fensterlosen Spinnsäle waren alle restlos von
Textilmaschinen befreit worden. Früher thronte ein gemauerter Schornstein
mit der eingearbeiteten Schrift "Glanzstoff" über der Fabrik, der leider zu
einem früheren Zeitpunkt schon abgerissen wurde. Höhepunkt des Streifzuges
waren die historischen Spinde mit ihren Hinterlassenschaften der einstmals
2500 Mitarbeiter und das noch fast vollständig erhaltene Kesselhaus. Eine
besondere Errungenschaft war bestimmt auch die Werkssportanlage, die 1951
mit Tennisplatz und üppigen Freibad ausgestattet war. Auch 5 Jahre nach
deren Schließung hingen die Tennisschuhe noch an den Haken. Nicht
schlecht gestaunt habe ich in einen kleinen Büro einer Werkstatt, als sich plötzlich
der Zeiger der alten Werksuhr weiterbewegte - eine Einbildung ? Nein eine
Minute später sprang er pünktlich weiter als wolle er sich wie einst den
Feierabend entgegendrehen ;-) Leider entsprechen viele der hier gezeigten
Bilder nicht der üblichen Industriezerfall Qualität, weil ich sie mit einer
Kompaktkamera mit Weitwinkelaufsatz fotografiert habe. Ein späteres
nachholen in besserer Qualität ist leider nicht mehr möglich, die Fabrik ist
bis auf ein denkmalgeschütztes Gebäude vollständig abgerissen worden. Hier
wird in kürze ein neues Wohn- und Büroareal entstehen. Damit habe ich zu
lange gewartet. |